Wie entsteht eine Sakristeiausgabe?

Die Geburtsstunde einer frischen Sakristei ist in den meisten Fällen eine E-Mail an alle Redakteure, die freundlich aber bestimmt darauf hinweist, dass es so langsam mal wieder an der Zeit wäre, daran zu denken, eine neue Sakristei zu drucken. Sofort herrscht große Aufmerksamkeit in der Herde und so dauert es nicht lange, bis die Sache ins Rollen kommt. Zuallererst muss ein Termin gefunden werden, an dem getestet und eine Zusammenstellung (ZUS) erstellt werden kann. Dieser findet meist eine bis zwei Wochen vor Drucktermin statt, häufig donnerstags nach der Ministranten-Gruppenstunde im Jugendraum St. Johannes.

Ist der Termin und ein Testprodukt gefunden, treffen sich alle Redakteure, die Zeit haben, um den Inhalt der nächsten Sakristei zu besprechen und die Testkandidaten gnadenlos und mit höchster Präzision zu testen und zu bewerten. Alle Ergebnisse werden gründlich mitgeschriebben, damit der demokratisch bestimmte Testschreiber später keine Schwierigkeiten hat, die gefundenen Mängel und Vorzüge der Testkandidaten aufs Papier zu bringen und dem Leser in charmanter Art und Weise zu vermitteln

Die beim Treffen entworfene ZUS wird wenige Tage nach der Versammlung an alle Redakteure gemailt, sodass jeder weiß, auf welcher Seite sein Artikel geschrieben werden muss. Die Artikel werden immer von den Redakteuren im stillen und von der Außenwelt abgeschnittenen Kämmerchen geschrieben, damit auch ja keiner die kreative Phase des Schriftstellers beeinträchtigen kann. Falls dies doch einmal vorkommen sollte, ist ein Sicherheitsabstand von mindestens zwanzig Metern innerhalb der nächsten drei Tage einzuhalten. Es kommt nämlich häufig vor, dass der Redakteur in Schreibwut gerät und diese an Mitmenschen auslassen muss.

Gehen wir aber einmal vom Normalfall aus: der kreative Kopf wurde nicht gestört und der Artikel konnte rechtmäßig fertiggestellt werden. Dieser Zeitpunkt sollte offiziell am Mittwochabend vor Drucktermin erreicht sein, doch das wäre wahrscheinlich der Wunschtraum. Etwa 98% der Artikel trudeln gegen Freitagabend auf der Sakristei-eigenen Cloud ein. Der angekündigte Drucktermin ist fast immer Samstag morgens um 10 Uhr im Pfarramt St. Johannes. Wenn dann gegen viertel nach zehn alle an diesem Tag nicht zeitlich eingeschränkten Redakteure und freien Mitarbeiter im Pfarramt erscheinen, werden zunächst die ein bis zwei mitgebrachten Laptops angeschlossen und in Betrieb genommen. Nach langem Hin und Her spuckt der Drucker die ersten Artikel aus, die von den beiwohnenden Personen Korrektur gelesen werden können. Natürlich gelingt es nicht immer, 100% der Rechtschreib- und Zeichenfehler zu entdecken und rechtmäßig zu verbessern, doch in welcher Zeitung ist das schon der Fall?

Nach dem Korrekturlesen in altehrwürdiger Tradition, also mit Papier und Bleistift (natürlich sind auch Kulis zugelassen, was halt gerade so greifbar ist), werden die gefundenen Mängel und Verbesserungsvorschläge, die Sätze mit Sinn versehen, am Laptop einzeln in die Artikel aufgenommen. Danach können die verbesserten Artikel erneut ausgedruckt und auch bald zielstrebig gedruckt werden. Dies funktioniert nach einem kompliziert erscheinenden Prinzip: Die Seiten, die sich in der ZUS gegenüberstehen, werden auf eine Seite kopiert. Dabei ist immer zu beachten, dass diese auf dem Druckpapier benachbarten Seiten zusammengerechnet (bei den standardmäßigen 32 Seiten) die Zahl 33 ergeben.

Alle Seiten, die schon gedruckt wurden, werden von freundlichen MitarbeiterInnen in den schönsten Neonfarben übermalt, damit jeder sehen kann: Diese Seiten sind schon gedruckt und liegen irgendwo herum! Ist einer dieser entstandenen Stapel von allen Seiten bedruckt, das heißt, es sind vier Seiten der Sakristei darauf zu finden, kann dieser Stapel gefalzt werden. Das Falzen ist das von der sogenannten Falzmaschine ausgeführte Falten der Blätter. Die Maschine faltet in kürzester Zeit die Blätter, meist genau so, wie man es haben will. Die Maschine nimmt den Redakteuren eine Menge Arbeit ab, denn es würde sicherlich mehrere Stunden dauern, um durchschnittlich 1440 Blätter von Hand zu falten.

Die fertig gefalzten Papierstapel sammeln sich an der Wand außerhalb des Druckerzimmers und werden, wenn alle Seiten fertig gedruckt und gefalzt sind, mit in die Bücherei genommen. Doch jetzt steht erst einmal das körperliche Wohl an erster Stelle, denn inzwischen ist es im Durchschnitt ein Uhr und der Magen knurrt bei den meisten schon seit mindestens einer halben Stunde - es wird also Essen bestellt.

Ist das Mahl eingenommen, kann der Schlusssprint beginnen: die Papierstapel werden rundherum auf der Tischinsel verteilt, sodass man im Kreis laufen muss, um alle Seiten ineinander zu legen. Die zusammengelegten Sakristeien werden dann gestapelt und vom auserkorenen Tackerer getackert. Die eigens dafür angefertigte Tackerhilfe gewährleistet das rechtmäßige Tackern direkt auf der „Mittelnaht“. Sind alle Sakristeien getackert, werden sie gefaltet und in Zehnerstapeln in Postkisten oder Stofftaschen gepackt. Frisch gedruckt verkaufen sich die Sakristeien in den nächsten Wochen dann wie warme Semmeln.

ahe (leicht angepasst, aus der 200. Ausgabe)